Zivi auf Norderney

11.59 Uhr
Ungeduldig warte ich vor dem Stationszimmer meine Cheffin, schaue aus dem Fenster und sehe wie sich die Bäume biegen.  Geistig überlege ich schon ob ich 11er oder 7er fahren soll. Endlich ist das letzte Elternteil mit ihren Joghurt-to-go welche sie jeden Mittag abholen müssen verschwunden. Sandra H. grinst und winkt mich weg. Keine 30 Sekunden später bin ich nicht nur aus der Station sondern auch die 100m zum Sonneneck zurückgerast und schon fast umgezogen. Unterzieher mit Haube, Neo, Schuhe und Handschuhe - es ist bitterkalt...

12.15 Uhr

Mit nem 11er Fuel, einem Liquid Force Recoil Comp, ner Pumpe und nem Sandanker bewaffenet schwing ich mich aufs Fahrrad und rase Richtung Weststrand. Jede Minute die ich länger brauche kann ich nicht fahren.

12.20 Uhr

Der Sand fliegt. Kurz überlege ich ob der 11er die richtige Wahl ist. Muss gehen, sind ja nur 25 Knt. Schnell aufpumpen, Leinen ran und dann den Chickenloop an den Karabiner klinken. Ich lass eine Böe durchziehen bevor ich den 11er am Windfensterrand aufstelle. Jetzt schnell - ich sprinte zum Chickenloop, hake die 5. ein und mich in den Loop. Eine Sekunde später rupft es mich nen Meter weg. Alleine starten ist riskant aber unabdingbar. Wenn keine Touris auf der Insel sind ist es gähnend leer. Marc mein Kitebuddy hat noch Schule und die Windsurfer sind für 90min Action nicht zu kriegen. Zuviel Aufwand mit dem ganzen Gerödel. Ich zieh den Adjuster etwas und überprüfe mein unhooked Setup. Gut Druck aber geht noch. Ein paar Rentner halten interessiert an und schauen zu meinem feuerroten Kite auf kurz bevor ich ihn
zum Wasserstart runterziehe. Vollgas gehts los. Erstmal ein wenig einfahren, immerhin ist die letzte Session schon fast 20 Stunden her. Ich ziehe den Kite zurück und hebe ab, das klatschen des Boards verstummt für eine Weile und ich höre nur noch den Wind - und Mount Sims - How we do. Der Mp3 Player ist wichtig, er gibt die nötige Motivation zum S-Bends üben. Ich kreuze ein Stück hoch hinter eine der Steinbuhnen. Da der Wind Sideshore über die Buhnen weht und das Wasser grad abläuft hat sich dort schön glattes Wasser gebildet. Ich stelle den Kite auf 10, falle etwas ab und kante ausgehakt an. Der Pop ist gut und ich drehe mich in die Frontrotation ein. Irgendwas stimmt nicht, der Kite zieht nicht mehr, ich komm aus dem Gleichgewicht und lasse die Bar los. Relaunch und nochmal. Diesmal Händen ganz mittig und nicht mehr den Kite runterlenken beim Takeoff.

14.00 Uhr

Ich drehe meinen letzten Schlag und fahre rein. 3 schöne Frontrolls hab ich gestanden, ob es schon Ähnlichkeiten mit nem S-Bend gab kann ich nicht sagen - es gibt keine Fotos und keinen Beobachter. Trotzdem bin ich happy - es war kalt aber geil. Schnell den Kite zusammenpacken und dann wieder aufs Fahrrad.

14.15 Uhr

Zurück im Sonneneck unter Dusche. Selbst 20°C fühlen sich wie 100°C an - zumindest bis wieder Gefühl in Hände und Füße kommt. Die Schuhe hatte nach 10min fahren ausgezogen - die Handschuhe auch. Viel zu unbequem und behindert bei unhooked Tricks.

14.25 Uhr

Schnell abtrocknen und wieder anziehen. 5min hab ich noch - um 14.30 wollen wir mit den Kindern ins Inselkino - Shrek2 läuft.

Später im Kino schlaf ich fast ein - Zivi auf Norderney zu sein ist halt anstrengend.

 

 

So sieht ein typischer Tag eines Zivis auf Norderney aus. Wenn man es hochrechnend würde, sind locker in 9 Monaten um die 90 Kitetage zusammen gekommen. Allerdings ging es nicht nur ums Surfen oder Kiten. Auch partytechnisch ging einiges - es gab einen riesen geilen Zusammenhalt unter den Zivis und eine echt geile Atmosphäre. Unzählige Bergfeste im Sonneneck, Strandkorbbesuche, Shishasessions usw. haben die Zeit zu einer ganz besonderen gemacht. Eine der geilsten Zeiten die ich je hatte! R.I.P. Sonneneck 08 ;-)